Politische¹ Milch²,³

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Tag 252 von 366 – Die Peking war sehr schön anzuschauen, ich habe den Ausflug nicht bereut. Es war übrigens gar nicht mal so einfach, das Teil so aufs Bild zu kriegen, dass im Hintergrund nicht das verdammte Airbusgelände zu sehen ist, oder sich einer der großen Ausflugsdampfer vor die Peking schiebt oder einer von drölf Schrillionen Trotteln durchs Bild läuft. Und dass sich die Wolke gerade in diesem Moment so vor die Sonne schob, dass mein Bild trotz ND-Filter nicht komplett im Gegenlicht absäuft, das war auch schön.

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Heute: Gemalt (und dabei gefilmt).

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Ich habe „Barista“-Hafermilch probiert; Christian und Frau Brüllen haben unlängst Oatly empfohlen, das offenbar gerade irgendwie von woke Twitter gecancelt wurde, weil des Teufels Investor eingestiegen ist. Ich hab’ keine Ahnung, welcher, und es interessiert mich aktuell auch nicht die Bohne. Ich möchte nur gern eine leckere, gesunde und umweltfreundliche Alternative zu meiner geliebten Vollmilch. Mandel-, Soja-, Reis- und eine Alnatura Hafermilch waren geschmacklich völlig indiskutabel (und zumindest Mandel- und Sojamilch sind umwelttechnisch genau so eine Katastrophe wie echte Milch), Alnatura ist so eine Nazisupporter-/Anthroposophengeschwurbelmarke, wie ich neulich lernte, das braucht ja auch kein Mensch (und das Zeug schmeckte auch fies). Ich hätte nicht gedacht, dass der Wunsch, Milch(ersatz) zu trinken, so politisch und so kompliziert sein kann.

Ich fürchte allerdings, auch Oatley wird hier nichts reißen; der Geschmack ist einfach zu verstörend und passt für meine Begriffe nicht zum Kaffee. Für Porridge ist es natürlich okay, aber jetzt auch nicht gerade die lukullische Erfüllung. Ich sehe keinen echten Sinn darin, wirklich fantastischen Kaffee zu kaufen, zu mahlen, mit perfekter Brühtemperatur in der bella macchina zum genialsten Espresso aller Zeiten zu brauen und dann eine „Milch“ dazu aufzuschäumen, die schmeckt, als hätte ich – pardon – die Kellertreppe gefegt, dann den Inhalt des Kehrblechs mit Tuschwasser abgeschmeckt und zuletzt noch erhitzt. Nee. Das Zeug kann ich mir einfach nicht schön trinken, désolée.

Ich bin froh und dankbar, dass ich echte Milch so gut vertrage und nicht auf diese Ersatzprodukte angewiesen bin. Und gleichzeitig froh und dankbar, dass es sie gibt für Menschen, die nicht unbedingt die Wahl haben. Aber abgesehen davon wäre es hier auch finanziell nicht machbar. Ich verbrauche im Schnitt einen Dreiviertelliter Milch am Tag für Milchkaffees und Porridge, da sind EUR 1,– Mehrkosten pro Liter schlicht nicht drin. Und ja, ich weiß, die echte Milch müsste grundsätzlich viel teurer sein, aber ich hab’ langsam auch ein bisschen sehr die Nase voll davon, dass sämtliche Kosten und moralische Verantwortung für alles, was wir essen, ausschließlich beim Verbraucher abgeladen wird. Aber das funktioniert ja schon super bei allen anderen Problemen. Der Verbraucher kann hingegen überlegen, ob er in diesem Monat lieber essen oder lieber wohnen will. Warum ein Produkt wie Getreide- oder gar Sojamilch fast das Doppelte von richtiger Milch kostet, das erschließt sich mir nicht; wenn überhaupt, dürfte es maximal die Hälfte kosten, aber das ist halt Marketing und Investorenbullshit. Irgendwie hab’ ich ehrlich weder Geld noch Lust, solchen künstlich hochgejazzten Hipsterquatsch zu unterstützen.

Wenn ich mir die Zutatenliste so durchlese (Wasser, Hafer 10%, Rapsöl, Säureregulator (Dikaliumphosphat), Calciumcarbonat, Salz, Vitamine (D2, Riboflavin, B12), Kaliumiodid) wird mir ganz schwummerig. Wahrscheinlich bin ich zu blöd und ungebildet und ahnungslos, das will ich alles ganz und gar nicht ausschließen, und ganz sicher bin ich auch recht konservativ, besonders beim Essen, das will ich auch nicht verhehlen. Ich bevorzuge allerdings den Ausdruck „Genussmensch“. Aber diese Liste fühlt sich für mich einfach ganz und gar nicht gut an. „Dubiose Gefühle statt knallharter Fakten“, ich kann geradezu sehen, wie Frau Brüllen mit den Augen rollt, recht hat sie. 🙂 Aber Essen ist ein sinnliches Erlebnis für mich, nicht einfach Nahrungsaufnahme, und wenn ich dabei jeden Tag erst meinen Widerwillen überwinden muss statt mich aufs Frühstück zu freuen, dann stimmt etwas nicht. Oder anders gesagt: “I’m too old for this shit.”

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Zu meinem gestrigen „Bärenhandy-aus-dem-Schlafzimmer-werfen“-Problem bekam ich zwei Zuschriften von Fans, die bei der Vorstellung, den Bären eventuell erst später am Tag zu bekommen, ganz blass um die Nase werden. Und dann noch einen Tipp für einen Bluetooth-Lautsprecher, den ich mir neben das Bett stellen kann und der das Hörbuch aus dem Wohnzimmer empfängt. Sowas muss ich mir wohl mal zulegen, aber das hab’ ich nicht im Budget und ob ich Bluetooth im Schlafzimmer so klasse finde, weiß ich auch nicht. Vorerst bleibt jedenfalls alles wie’s ist, auch, wenn der Bär gerne einmal wieder eine Nacht entspannt durchschlafen würde und im Winter morgens auch mal länger schläft.