Quack?

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Tag 220 von 366 – Es ist immer noch zu heiß für meine Belange. 32°C in Hamburg, das geht nicht. Das geht gar nicht.

Manchen Twitterern steigt die Hitze auch zu Kopf. Gestern führte ich einen Nachrichtendialog, den ich Euch nicht vorenthalten will.

Quack?

Und jetzt weiß ich auch nicht.

Ich hab’ da eine super Idee: Schreibt und zeichnet doch Eure eigenen Geschichten, mit den Figuren, über die ihr lesen möchtet oder die Euch am Herzen liegen. Und das meine ich ganz und gar ernst, ich ermutige bekanntlich jeden Menschen zum #bingecreating statt bingewatching. Wenn Euch meine Truppe aus Ganter, Bär, Waschbär, Maulwurf nicht divers genug ist, weil sie nur aus männlichen Exemplaren ihrer jeweiligen Gattung besteht (ich nehme mich hier mal aus, denn ich bin ja nur Gaststar im Bärenabo und nicht immer mit dabei), wenn Euch da zu wenig Fokus auf (gesellschafts)politischen Themen liegt, die Euch aber am Herzen liegen – was hindert Euch daran, selbst loszulegen und zu zeichnen?

Ganz abgesehen davon, dass KünstlerInnen nicht dazu da sind, um Euch gefällig zu sein und auf Zuruf die Geschichten zu zeichnen, zu schreiben oder die Musik zu spielen, die Ihr gerne sehen, lesen oder hören möchtet: Es sind doch Eure Themen, die Euch unter den Nägeln brennen! Ich schreibe und zeichne Geschichten, die ich gerne sehen bzw. lesen will. Es freut mich ganz außerordentlich, dass sie vielen Menschen gefallen und so viel Beifall bekommen, aber ich habe sie auch ohne Publikum geschrieben und gezeichnet und würde das auch weiterhin tun. Nicht unbedingt, weil mir die Abenteuer von Bär, Waschbär, Maulwurf und Ganter als ein dringend notwendiges, sozialpolitisches Statement erscheinen, sondern weil sie mir einfach Freude bereiten, fertig.

Und das ist kein Unvermögen, mit Kritik umzugehen, kein beleidigtes „mach’s doch besser!“ meinerseits. Es gibt sicher einiges zu kritisieren an meinen Bildern und Geschichten. Aber sicher nicht, dass es meine sind. Ich wüsste nicht, warum ich krampfhaft versuchen sollte, da noch mehr Frauen einzubauen, ich finde, ich selbst reiche da als Musterexemplar meiner Gattung völlig aus und die Geschlechterfrage ist außerdem völlig irrelevant für die Geschichte. Ich denke auch nicht, dass jede Geschichte immer aus jeder Perspektive beleuchtet werden muss. Das mag gelegentlich zwar ein Gewinn für Angehörige marginalisierter Gruppen sein, representation matters, wie es so schön heißt. Aber es ist oft kein Gewinn für die Geschichte.

Übrigens ist mir schon häufiger aufgefallen, dass Leute, die rumnölen, Künstler- und auch SportlerInnen sollten sich gefälligst nicht zu (gesellschafts)politischen Themen äußern sondern sich darauf beschränken, ihre Kunst oder ihren Sport gut zu machen (“Shut up and dribble”) oft politisch rechtsaußen stehen. Wohingegen die linke “Diversity-Blase”, wie ich sie mal nennen möchte, eher Wert darauf legt, dass man seine kreativen Kräfte gefälligst in den Dienst ihrer guten Sache™ stellt, idealerweise für lau und aus hehren Motiven. Für beide Haltungen habe ich herzlich wenig übrig. Du kannst mich gern beauftragen, deine Geschichte zu illustrieren, ich mache das beruflich und nehme selbstredend bezahlte Auftragsarbeiten an, sofern sie meinen eigenen Wertvorstellungen nicht diametral gegenüber stehen.

Wenn du aber findest, ich sollte in meinen Geschichten deine Sicht der Dinge berücksichtigen, dann bist du leider völlig schief gewickelt.

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Ich hatte bis heute noch nie von Lisa Eckhart gehört und nach dem, was ich so auf den ersten Blick überfliege, trifft sie weder meinen Geschmack in Sachen Unterhaltung noch finde ich andererseits jetzt sonderlich Verwerfliches, es ist halt Satire. Der Artikel in der Jüdischen Allgemeinen jedenfalls legt nahe, dass alles halb so dramatisch ist. Not my cup of tea. Aber darum geht’s ja gar nicht.

Nach Angaben des ehemaligen Nachrichtenmagazins (das ich aus bekannten Gründen nicht verlinke) hat angeblich der „Schwarze Block“ ihr, den Veranstaltern und dem Publikum Gewalt und Randale angedroht, sollte sie wie geplant auftreten und man wollte seitens des Veranstalters nicht die Polizei bemühen. Die taz hingegen berichtet, dass angeblich andere KünstlerInnen im Vorfeld mit einem Boykott gedroht haben, sollte Lisa Eckhart auftreten. Vielleicht stimmt sogar beides, weshalb genau ihr nun genau abgesagt wurde, wird wohl nicht mehr geklärt; meine högschdeigene Theorie ist, dass das Festival gern die kostenlose PR mitnimmt; Literaturfestivals können so etwas ja immer gebrauchen, gerade in Zeiten von Corona. Ein Literaturfestival ohne Skandälchen: Hat das überhaupt stattgefunden?

Was jedoch auch in der Diskussion auf Twitter und in den Feuilletons deutlich wird: Satire darf also offenbar doch nicht alles, oder nur dann, wenn sie der eigenen politischen Meinung entspricht – in diesem Falle der vom Cancel Culture Club links außen. Was natürlich der beste Beweis dafür ist, dass sie dringend nötig ist und die Frau irgend was richtig macht, denn Satire, die nicht provoziert, hat ihr Ziel verfehlt.

Links außen und rechts außen stehen ja immer Rücken an Rücken und enger beieinander, als beide jemals zugeben würden. Gemeinsamer Nenner ist bekanntlich der Schrei nach Zensur unliebsamer Äußerungen des politischen Gegners, ungeachtet Parolen wie „Freiheit ist auch immer die Freiheit der Anderen“. Armselig ist dieses Verhalten so oder so. Man kann halt nicht die Fahne hochhalten für z.B. Böhmermann, der in seinem gesetzlich als Satire befundenen Angriff auf Erdogan auch kein fremdenfeindliches Klischee auslässt, aber dann die Spielregeln ändern, sobald das eigene Humorzentrum nicht mehr getroffen und die eigene Meinung nicht mehr bestätigt wird. Das heißt, kann man offensichtlich doch, wie die ganze Nummer hier ja beweist und leider auch ein großer Teil meiner Timeline findet. Aber dann ist man halt genau das, was man anprangert.

Nachtrag: Gerade im Tagesspiegel gefunden, ein schöner Kommentar zur Causa Eckhart.