Seelsorgetipps

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Wie ich meine Depressionen in Schach halte:

1. Keine Nachrichten sehen, hören, lesen. Entsprechende Accounts auf Twitter konsequent muten oder blocken. (Ich bin nicht auf FB.)
2. Kreativ arbeiten. Zeichnen, schreiben, musizieren, kochen, handwerken, whatever
3. Tageslichtlampen
4. Spaziergänge
5. 8 Std Schlaf

Das bedarf vielleicht einiger Erläuterungen, daher blogge ich hier ein paar ergänzende Worte zu den einzelnen Punkten.

1. Für diesen Punkt werde ich oft kritisiert. Wie kann ich nicht übers Weltgeschehen Bescheid wissen (wollen)?
Natürlich bekommt man genügend „per Osmose“ mit, um nicht komplett ahnungslos zu sein. Beim Bäcker liegen die Zeitungen, deren Schlagzeilen man liest. In der Bahn flimmern Monitore mit Nachrichten. Die Menschen in der Teeküche am Arbeitsplatz oder im Café reden darüber, was geht. Einen groben Überblick hat man in jedem Fall.
Was ich meine ist Folgendes: Nicht eintauchen in entsprechende Medien, sich suhlen in den negativen Berichterstattungen. Keine Polittalkshows gucken, wo es ausschließlich um Quote geht und daher die saftigsten Formulierungen, Skandale, nur hochgejazzt um im Gespräch zu bleiben. Das sind self-PR-Shows für charakterlose Politiker, selbsternannte Experten und Journalisten, die diesen Namen nicht verdienen. Keine Tagesthemen etc. noch dazu kurz vorm Schlafengehen. Keine Twitter-, Facebook-, YouTube- etc. Ausflüge in die politischen Diskussionen. Es sind keine Diskussionen, niemand hat Interesse an Diskussionen. Es sind Lachen von Erbrochenem, ausgespieen von der jeweiligen politischen Anhängerschar.

2. Das ist relativ selbsterklärend und die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig. Das Ding ist, sobald ich etwas mit den Händen mache, voll konzentriert, habe ich weniger Raum für dunkle Gedanken und am Ende des Vorgangs hoffentlich etwas Vorzeigbares. Das kann ein fertiggestrickter Pullover sein, ein Gemälde, ein selbstgebauter Carport, ein komponierter Song oder auch nur neu gelerntes Klavierstück oder eine selbst programmierte App.
Nicht jeder Mensch hat die Zeit und Muße dazu, und ich für meinen Teil kann weder programmieren noch stricken noch einen geraden Nagel in die Wand hämmern. Ich habe das Glück, dass meine Hauptarbeit aus Zeichnen und Malen besteht. Ich habe aber auch Jahrzehnte hauptberuflich mit Projektmanagement und Marketing verbracht. Dann habe ich eben ein Stündchen am Tag irgendwo abgeknapst. Zum Beispiel, indem ich statt abends Netflix (bzw. TV-Serien) zu konsumieren lieber Musik gemacht oder gezeichnet habe.

3. Tageslichtlampen sind etwas, das ich erst recht spät im Leben kennengelernt habe. Ich habe keine extra Lampe dafür, aber ich verbringe den Tag am Zeichentisch und habe zwei klasssiche Scherenlampen, eine links und eine rechts, die mein Zeichenbrett gleichmäßig ausleuchten. Darin befinden sich zwei 6500 Kelvin Glühbirnen (LED-Leuchtmittel) von Osram oder Philips, das weiß ich nicht mehr, dürfte aber auch egal sein. Ich habe die in erster Linie deshalb, weil sie die Farben beim Malen nicht verfälschen, aber festgestellt, dass sie mir wirklich sehr gut tun.

4. Ich bin immer gern und viel zu Fuß gegangen, ob zum Einkaufen oder über den Golfplatz. Wenn es draußen grau und nieselig ist, muss der Schweinehund überwunden werden, aber am Ende bin ich immer glücklich wieder reingekommen. Frische Luft, Sauerstoff, Bewegung … ich bin kein Mensch für die Muckibude.

5. Ich schlafe zwischen 7 und 8 Stunden jede Nacht, im Sommer etwas weniger, aber ich schlafe so lange ich kann und will. Ich benutze auch keinen Wecker (allerdings werde ich auch seit jeher sehr früh wach; ich brauche einen Wecker wirklich nur, wenn ich um sechs Uhr früh am Flughafen sein muss; das ist heutzutage vielleicht einmal im Jahr der Fall). Wenn ich mal eine Weile weniger Schlaf hatte, z.B. weil das Arbeitspensum enorm ist und eine Deadline eingehalten werden muss, dann geht es mir nicht gut. Wenn ich eine Nacht mal schlecht geschlafen habe, mache ich mittags ein Nickerchen (ja, ich weiß, kann nicht jeder, aber wenn’s geht, dann probiert es mal). Schlaf ist wichtig.

6. Nicht zu vergessen: Das ist meine Art, mit der Dunkelheit umzugehen, darum steht da „Wie ich meine Depressionen in Schach halte“. YMMV – your mileage may vary, das ist nicht allgemeingültig, obwohl sich die Wissenschaft wohl zumindest bei den Themen Licht und Schlaf ziemlich einig ist, soweit ich weiß. Ich mache einfach das, was mir gut tut und weiß auch was passiert, wenn ich längere Zeit eine oder mehrere dieser Punkte missachte. I call it ‚gesunder Menschenverstand‘, aber das ist explizit nicht als Wertung Eurer Situation, Erfahrungen, Energielevel zu verstehen oder als alleinseligmachender Weg. #notjustsad