Sommertag

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Tag 177 von 366 – gemalt, geschrieben, gefilmt.
Sommer.

Die zweite Blüte der Kapuzinerkresse ist auf und die Hummeln finden das gut. Ich habe den Bienen, Hummeln etc. ein Schälchen Wasser in einer flachen Schüssel hingestellt, aber bislang haben sie es nicht wahrgenommen. Vielleicht liegt mein Balkon auch zu hoch, wer weiß.

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Herr Buddenbohm fragt desinteressiert, wo eigentlich Bad Bevensen liegt und ich musste beim Lesen sehr schmunzeln. Ich kenne Bevensen (noch aus der Zeit ohne „Bad“ davor) aus Kindertagen, aber hauptsächlich aus ausführlichen Familienerzählungen. Meine Großmutter und ihre drei Kinder waren dorthin im Krieg nach der Ausbombung zu ihrer Schwester geflüchtet, die dort mit ihren beiden Jungs lebte. Und als ich klein war, haben wir gelegentlich meine Großtante und ihren Enkel dort in der Lüneburger Heide besucht.

Das ist ein nettes Kaff mit einem kleinen Fluß, der Ilmenau, in dem man gut schwimmen kann. Im Wald Richtung Kloster Medingen, dem Klaubusch-Wald, gibt es Blaubeeren und Pilze, die meine Mutter und ihre Geschwister im Krieg gesammelt haben, und in der Lüneburger Heide werden natürlich überall Spargel und Kartoffeln angebaut. Ob ich da als erwachsener Mensch jetzt unbedingt hinfahren und mir „eine Auszeit“ nehmen müsste, weiß ich nicht, aber als Kind fand ich es dort fabelhaft (sicher auch, weil die Apfelbäume, der Birn- und der Kirschbaum im Garten meiner Großtante gut bekletterbar waren, sehr ergiebig Früchte trugen und meine Großtante immer sehr besorgt war, dass ich auch ja genügend Kirschen aß).

Eine Kindheit auf dem Lande oder in einer Kleinstadt wie Bevensen ist definitiv super, man muss nur halt rechtzeitig den Absprung hinkriegen, denn seine Teenagerjahre will man sehr wahrscheinlich nicht auf dem Dorf verbringen müssen. Meine eigene Kindheit erlebte ich ziemlich genau auf dem 50. Breitengrad, in einer hessischen Kleinstadt, komplett mit Burgruine, Pferdekoppeln, Wäldern, Pfingstjahrmarkt („Kerb“) mit Feuerwerk und allem pi, pa, po. Aber ich bin damals wie heute extrem dankbar dafür, dass ich mit elf Jahren nach Hamburg zog (bzw. gezogen wurde, als Kind hat man da ja nicht so die Wahl).

Meine Großtante ist schon lange tot, aber zuletzt war ich vor zwei Jahren in Bevensen, um mit meiner Mutter zusammen ihre Schulfreundin zu besuchen. Dabei haben wir natürlich auch einen Spaziergang um den Kurpark gemacht (der übrigens sehr schön geworden ist) und ich war doch sehr erstaunt, dass die Ilmenau ja gar nicht der reißende Amazonas ist, den ich in Erinnerung hatte (aber immer noch zum Schwimmen einlädt, gerade an Sommertagen wie diesem).

Gary McFarland haben wir übrigens nicht gehört.