Splitter KW 28

Was war und was schön war.

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Jemand schreibt in der Facebookgruppe meiner Alma Mater, dass „wir“ dieses Jahr 30 Jahre Abi haben. Ich gucke mir die öffentlichen, durchaus deutlichen Profilfotos an und erkenne nicht, wer das sein soll. Der Vorname sagt mir auch nichts. Das Gesicht stammt nicht aus meiner Filterblase.

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Das Macbook Pro ist tot. Das war vorhersehbar und ist zumindest datentechnisch kein Beinbruch, Backups sind vorhanden. Aber es war das Bärenmacbook. Ich habe die Zeichnungen für das Bärenabo darauf im Photoshop koloriert. Das wird nun vorerst komplett analog vonstatten gehen. Lustigerweise haben schon einige Abonnentinnen bemerkt, dass ihnen die analogen, bunteren Bärenbilder der letzten Tage besser gefallen. Ich brauche allerdings dreimal so lange dafür. Aktuell geht das noch, aber wenn die Auftragslage wieder anzieht, werde ich mir eine neue Technik überlegen müssen. Auch das ist in Ordnung – der Bär lädt sehr zum Experimentieren ein, es wird immer mal Phasen geben, in denen er manchen Leuten nicht so gefällt, und andere begeistert sind vom neuen Stil. Wir werden sehen.

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Ich weiß nach wie vor nicht, was die Welt so super an Sugru findet, dem magischen Silikonknetkleber, mit dem man angeblich alles hacken und verbessern kann. Ich habe es jetzt über mehrere Jahre in mehreren Chargen getestet, jedes Mal im gleichen Anwendungsfall: Ein iPhone- oder Macbookkabel zu flicken. Alle Tests sind komplett negativ verlaufen; das Zeug wurde hart und brach bei nächster Gelegenheit. Fazit: Entweder ich habe dreimal über 20 € zum Fenster hinausgeworfen und Montagsprodukte gehabt, oder aber der beschriebene Anwendungsfall, der wohl zu den allerhäufigsten zählen dürfte, ist in der Realität nicht damit reparierbar, oder ich bin zu doof, oder das Zeug ist schlicht großer Mist und totale Geldschneiderei.

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Ich blättere in Max Dörners Standardwerk „Malmaterial und seine Verwendung im Bilde“, das ich wohl seit dem Studium nicht mehr in den Händen hielt. Die Verachtung des Autoren für die Aquarellmalerei trieft aus jeder Zeile, zum Ausgleich gehört er zu den Menschen, die finden: Nur selbstangerührte Ölfarben sind the real thing. Immerhin ist das Werk aus den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also bald hundert Jahre alt. So gesehen war es jedoch ziemlich weit vorne und hat mir sehr geholfen. Es freut mich aber zu sehen, dass ich mich technisch, inhaltlich und stilistisch deutlich weiterentwickelt habe.

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Noch einmal Pixars Inside Out gesehen. Ich kann damit immer noch nichts anfangen, finde es lieblos animiert, die Geschichte hanebüchen, die Figuren mehrheitlich unsympathisch bis komplett egal. Keine von Pixars Sternstunden, was mich betrifft. Das waren für mich Monsters, Inc., Finding Nemo, Ratatouille und, mit gewissem Abstand, Cars und die Incredibles. Toy Story 1, 2, 3 und andere Fortsetzungen ließen mich kalt, dito Wall-E und Up. Ich glaube, Pixar ist der Wechsel zu Disney nicht bekommen. Diese moralinsaure Süßstoffnote ist nichts für mich.

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Ich will ans Meer. Ich will wieder Musik hören können, ohne dabei kaputtzugehen. Ich will mein Leben zurück haben.

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Ich will wieder einen Hund haben. Und ich will keine Fragen à la „Was sagt denn der Bär dazu, haha?“ hören.

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Mein Brillengestell ist kaputtgegangen. Fast dreißig Jahre lang hat es mich treu durch diverse Glaswechsel begleitet. Eine Reparatur ist nicht möglich, das Modell gibt es natürlich nicht mehr, die Firma inzwischen wieder, aber sie haben keine Restbestände mehr der alten Modelle. Ich werde es nachbauen lassen müssen, das kostet ein Vermögen und wird natürlich nur ein mauer Abklatsch sein. Oder ich suche mir ein neues Gestell aus, inzwischen gibt es eine reichhaltigere Auswahl als Mitte der 80er. Nichts ist für die Ewigkeit, ganz offensichtlich nichts. Gar nichts. Alles geht kaputt.

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Ich habe den Schwalben zugeschaut, den Rock’n Rollern der Lüfte, und einen Storch im Flug gesehen. Das war schön. Ich brauche mehr Leichtigkeit.

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