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Wir sehen einen Werbeclip mit Island Highlights. Geysire, Vulkane, Schnee, Ponys etc. Ich frage meine Mutter, ob sie schon mal auf Island war. Sie ist sich nicht sicher und überlegt, wo sie damals die Zwischenstopps auf der Transatlantikroute eingelegt haben … Rejkjavik? Nein, das war es nicht … sie überlegt weiter. Ganz zu Beginn ihrer Fliegerjahre flog sie noch auf der mit vier Propellermotoren ausgestatteten “Conny”, also der Lockheed Super-Constellation – dem elegantesten Linienflugzeug jemals, was mich betrifft, quasi dem Jaguar E-Type der Lüfte – bevor sie kurz nach ihrem Einstieg bei LH zu den ersten gehörte, die „Düse“ flogen, also Boeing 707. Das Jet (-Set) Zeitalter war angebrochen. „Mit der Conny war noch kein Nonstop nach Nordamerika möglich, wir mussten auf dem Flug nach Idlewild zum Tanken noch mal in Shannon (Irland) und Gander (Kanada) zwischenlanden. Also, nein, kein Island. Aber Neufundland.“

NB: Idlewild ist der Flughafen, den ich von Geburt an nur als JFK kenne, aber 1960 – zu besagten „Conny-Zeiten“ – war John F. Kennedy ein junger Senator, der erst im November zum Präsidenten gewählt werden würde. Idlewild Airport wurde erst im Dezember 1963 nach ihm benannt.

„In Shannon haben viele von der Crew sich mit Tartan Plaids eingedeckt, ich hab’ da auch eines gekauft. Komisch, was einem so alles wieder einfällt. Und in Gander haben sich so einige von uns einen Führerschein gekauft, das konnte man damals dort, genau wie in Belgien.“ Ich bin sehr froh zu wissen, dass sie ihren aber hierzulande gemacht hat und kann übrigens versichern, dass sie nach wie vor sehr sicher und routiniert und ganz ausgezeichnet Auto fährt.

Ich überlege. Gander … Gander … wo war ich dem Namen neulich erst begegnet? Dann fällt es mir wieder ein. „Gander war der vorzeitige Stopp für alle Langstreckenflüge nach und von Nordamerika am 11. September 2001“ erzähle ich ihr. „Der Flughafen, der seit 1960 mit dem Ende der technisch bedingten Tankstopps rasant an Bedeutung verloren hatte und zu einem Stück obskuren Trivia-Wissens geworden war, war zum Bersten gefüllt mit allem, was am 11. September und in den Tagen danach erst einmal nicht weiterfliegen durfte – 39 Flugzeuge aus aller Welt mit 6.600 PAXen. Die (damals) rund 9.000 Einwohner von Gander haben ihnen allen eine Woche lang Obdach und ihre Gastfreundschaft angeboten. Es gab neulich irgendwo eine Dokumentation darüber.“

„Das kann ich mir gut vorstellen“ sagt sie. „Das waren sehr, sehr freundliche Menschen dort.“