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Es hakt an allen Ecken und Enden.

Ich müsste die Website überarbeiten. Was ich gerne hätte: Ein supercleanes Design ohne Schnickschnack, das in jedem Browser gleich gut aussieht und funktioniert, optimiert für SEO und Barrierefreiheit, im Backend supereinfach zu bedienen. Was ich habe: Ein okayes, cleanes Design mit etwas Schnickschnack, das in den meisten Browsern okay aussieht und so lala funktioniert, null optimiert für SEO und schon gar nicht für Barrierefreiheit, was vermutlich auch einfach nicht zu haben ist, wenn man eine Illustratorin mit extrem bildlastiger Seite ist – Bildbeschreibungen schön und gut, aber damit kommt man letzten Endes auch nur soweit. Und im Backend herrscht der Pluginwahnsinn. Ich will alles löschen, aber ich habe weder die Zeit noch Lust noch die inzwischen aktuell erforderliche Kenntnisse in Webdesign um selbst alles neu zu machen und das Budget fürs Outsourcing hab’ ich auch nicht. Das würde mich mindestens fünf oder sechs große Scheine kosten und wenn ich die so rumliegen hätte, würde ich mir davon eher eine 1DX Mk III kaufen, die gerade rausgekommen ist und die ich so überhaupt nicht brauche und niemals sinnvoll einsetzen könnte, aber gerne hätte. Ich hab’ sooo Bock, sinnlos Geld auszugeben, aber glücklicherweise kein Geld dafür. Und so brauche ich mich nicht zu ärgern, eine Kamera gekauft zu haben, die keinen Timelapse Mode hat (WTF?) und immer noch dieses bescheuerte 30-Minuten-Aufnahmelimit bei Video. Solch saure Trauben mag ja nun wirklich niemand.

Mein Artstore läuft mit WooCommerce und es gibt offenbar kein einziges kompatibles Theme, das mir erlauben würde für einzelne Produkte eine Microsite bzw. Landingpage zu erstellen. Zumindest habe ich keines außer Salient gefunden. Und Salient einzubauen, nur weil man davon gerne eine einzelne Funktion hätte ist, als würde man sich in einen Hummer setzen um damit zum Briefkasten zu fahren. Also, zum eigenen, am Ende der eigenen Garageneinfahrt.
So eine Landing Page bzw. Microsite hätte ich aber gerne für meine flagship-Produkte – das Bärenabo, das jeweils neueste Buch und ggf. noch den Bärlender – und irgendwie nervt mich das. Vielleicht hülfe es, auf ein anderes e-commerce System umzusteigen. Andererseits verstehe ich WooCommerce inzwischen halbwegs, es liegt in meinem Budget (weitgehend kostenlos) und es funktioniert ja auch grundsätzlich hervorragend. Aber happy bin ich nicht.

Alles anzünden.

Ich filme ein Video zu der Gespenstergeschichte und stoße bei der Suche nach einem bestimmten Effekt an meine technischen Grenzen im Premiere Pro, ich suche auf YouTube Hilfe, das Problem zu lösen und falle in das Kaninchenloch mit Tutorialvideos zu After Effects. Plötzlich ist der halbe Tag um.

Ich zeichne die nächsten Beiträge fürs Bärenabo, spontan unsicher, welchen Pfad ich an der inhaltlichen Gabelung nehmen soll. Beides würde gut funktionieren, ich kann mich nicht entscheiden.

Tee ist auch alle. Und das Wetter ist entsetzlich. Ich müsste mal wieder zum Friseur, aber hab’ keine Lust.

Immerhin flaut der Husten langsam ab. Ich googele Fitnessstudios in meiner Umgebung, die mich kennenlernen möchten. Ich sollte wirklich dringend aktiv werden in Sachen Sport und Bewegung. Wenn ich jetzt loslege, trage ich im Sommer drei Jeansgrößen kleiner. Haha.

Keine Lust auf gar nichts. Ich nehme die Gitarre von der Wand und spiele ein paar Läufe. Klingt auch furchtbar. Klar. Monatelang nicht gespielt. Komplett verstimmt, genau wie ich.

Ich binge mich auf YouTube durch die vielen Versionen von Gary Clark Juniors “When My Train Pulls In” und komme immer wieder auf eine Version zurück. Die Location ist ein Traumresort namens “Surf Lodge” an einem See an der Ostküste der USA im Staate New Yorks. Das Publikum besteht aus Hipstern mit viel Geld und null Ahnung, die aktuellen beautiful people, die den Preis von ALLEM und den Wert von NICHTS kennen, die vermutlich auf einen angesagten DJ gehofft hatten und nun taucht da dieser Typ mit seiner schraddeligen Band auf und spielt ihnen den Blues. Es ist heiß, ein Sommerabend, Mücken, Schweiß, open air und man kann zusehen, wie Clark immer wütender wird und sich irgendwann sagt ‚jetzt erst recht‘ und seinen signature song ab da so heiß und intensiv spielt, dass dann doch der eine oder die andere vor der Bühne den Hugo erstaunt wegstellt, die Unterhaltung beendet und sich umdreht und zuhört. Das Video ist wie eine Dokumentation eines Auffahrunfalls, man kann nicht wegsehen, nicht Luft holen, das Kamerateam hätte den Oscar verdient. Zuletzt hab’ ich sowas in Buchform erlebt, vor rund 30 Jahren mal gelesen, “Bonfire of the Vanities” von Tom Wolfe und nach der letzten Seite war ich etwa so kaputt wie nach dem Anhören dieses Songs und dem Ansehen dieses Videos. Und so wie ich das Buch damals unmittelbar wieder von vorne las, spiele ich das Video hier noch ein paar Male hintereinander ab.

Alles anzünden.

 

 

Zurück an den Zeichentisch.