Uff! (Tataa!)

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Um nicht endgültig mit irgendwas aufzuhören, sind wir bereit, (fast) alles zu tun. Und weil Bewährtes mächtiger ist, bleiben die guten neuen Ideen ein Beiwerk, zur dröhnenden Normalitätsmaschinerie, die in ihrer rücksichtslosen Sperrigkeit den Gegenwartsraum einnimmt.

Ach guck, mein unbestimmtes Gefühl, das kann hier nicht mehr so weitergehen, ich muss etwas, wenn nicht gar alles ändern, das haben noch mehr Leute. Und dann spült es einem so Artikel wie diesen in die Timeline (‘tschuldigung, Link geht zur taz).

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Gestern Abend schreckte ich gleich zweimal hoch und rannte zum Fenster, da es gleich zweimal höchst ungewöhnliche Geräusche gab. Und zwar nicht von der Straßenseite her, sondern vom Innenhof – der ist ziemlich riesig, verläuft einmal über die Gesamtlänge unserer kleinen Straße zwischen den Häusern, ist mit Rasen und hübschen Sräuchern und Bäumen bepflanzt, und in den letzten Monaten spielten dort tagsüber die Kinder, die nicht in die KiTas und Schulen gehen konnten. Es gibt Picknicks auf dem Rasen, wenn auch ohne Grill (nicht ganz zu Unrecht verboten, da ja die Schlafzimmer zur Hofseite liegen und wer hat schon Lust darauf, in Grillgerüchen zu schlafen?) und gelegentlich wird Federball und Croquet gespielt. Nun machte es vom Innenhof aus also laut ZISCHSCHSCH! und es klang ein wenig, als sei dort ein Heißluftballon gelandet oder würde dort starten wollen. Es war dann doch deutlich unspektakulärer: Zwei Stehbrettpaddler ließen im Innenhof die Luft aus ihren riesigen Stehbrettern, mit denen sie den Tag auf dem Kanal oder im Stadtparksee verbracht hatten. Ich hatte keine Ahnung, dass die Dinger luftgefüllt sind, ich dachte, das seien so eine Art Wellenreitbretter, der Größenordnung Longboard oder wenigstens Malibu. Schau an, man lernt nie aus.

Gerade hatte ich mich wieder hingesetzt, da spielte ein Bläsertrio einen Ufft-Uffta-Marsch. Das war so lustig und so überraschend, überall gingen die Fenster auf und alle schauten verblüfft runter auf die drei Herren, die uns da ein Ständchen darboten. Nach einem Stück war der Spuk vorbei, es gab Applaus und Gelächter und ein kleines Kind im Schlafanzug schrie „nochmal!“. Die Zugabe war ebenso lustig und kurz und ein bisschen schief und dann war auch schon alles wieder vorbei und alle Köpfe wieder drin, alle Fenster geschlossen, man konnte wieder an den Abendbrotstisch, zu den Nachrichten zurück.

(Das Bild im Header heute zeigt ein Blasorchester am damals (2009) recht neuen Teich vor der ebenfalls frisch umgebauten Terrasse des Golfclubs Hamburg-Holm. Ich hatte gestern Abend leider keinen guten Winkel für einen Schnappschuss des Trios, insofern muss das hier zur illustration der Stimmung reichen.)

Veränderungen. Schon schön.