Was ist im Portemonnaie?

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Drüben im Techniktagebuch listen die Redakteure auf, was sie alles so an Plastikkarten im Portemonnaie (ich sage nie Geldbörse oder Geldbeutel) mit sich herumtragen. Das liest sich ganz vergnüglich. Der Aufhänger ist natürlich die Digitalisierung und Aufstieg der neuen Zahlungsmittel Apple Pay und Google Pay, bzw. das kontaktfreie/drahtlose Bezahlen mit modernen Kredit- und Maestrokarten.

Ich habe daraufhin mal nachgeschaut und finde in meinem uralten Taxi Wallet, das ich mir vor 30 Jahren im Studium gekauft und seither zweimal nachgekauft habe:

• die Maestrokarte (vulgo: EC-Karte) meiner Bank

• eine Kreditkarte

• eine DHL-Karte der ersten Generation, die schon ziemlich abgenabbelt ist, aber die ich trotz Nutzung der DHL-App und PIN codes via SMS immer noch zur Identifikation in die Packstation stecken muss

• den Personalausweis

• die HVV card für den Hamburger Verkehrsverbund, die ich nur dann benutze, wenn ich kein Kleingeld habe oder aber keinen Empfang für die App. Gezielte Strecken zwischen zwei festen Stationen zahle ich in der Regel bar, um kein Bewegungsprofil an den HVV und seine Werbepartner zu übermitteln. Ich finde einfach, das geht sie nichts an, wann ich warum wohin fahre. Tageskarten kaufe ich meist mit der App, oder eben mittels der HVV card.

• EUR 85,85 in bar. Ich zahle gern und meist in bar und habe wirklich noch nie erlebt, dass das in Geschäften oder Restaurants nicht gut angekommen wäre. Barzahlung ist gelebter Datenschutz und auch, wenn ich inzwischen Apple und Google Pay eingerichtet habe, um im Notfall darauf zurückgreifen zu können, werde ich mich damit genauso wenig anfreunden wie mit Lastschriftzahlungen oder dem Zahlen per Kreditkarte. Ich hasse unschöne Überraschungen am Ende des Monats, behalte gern den Überblick und kann nicht leiden, wenn so viele Firmen ihre Pfoten auf meinem Konto haben.

Die Krankenkassenkarte, der Führerschein und die geschäftliche Maestrokarte liegen zuhause in der Schublade. Nichts davon brauche ich im Alltag; falls ich tatsächlich mal zum Arzt muss, was in den letzten zehn Jahren oder so nicht vorgekommen ist, kann ich die Krankenkassenkarte dafür rausholen und mitnehmen. Falls ich vom Bus überfahren werde, wird mich jedes deutsche Krankenhaus auch so ärztlich versorgen, das Plastikkärtchen kann man immer nachreichen.

Einen Organspendeausweis habe ich nicht, weil ich weder welche spenden noch im Zweifel welche empfangen möchte (ich werde das Für und Wider hier auch nicht diskutieren, nehmt es einfach hin). Eine Bahncard habe ich auch nicht; ich fahre zu selten Bahn, als dass sich das rechnen würde. Ich glaube, ich könnte jedes Wochenende von Hamburg nach Westerland fahren und hätte trotzdem noch nicht den break-even erreicht.

Den Führerschein brauche ich auch nicht mehr täglich mitzuführen, seit ich kein eigenes Auto mehr habe. Wenn ich tatsächlich mal eins ausleihe, ob von Muttern oder von Car2Go, packe ich ihn vorher ein. Falls ich das vergessen und angehalten werden sollte, wäre das eine Ordnungswidrigkeit zum Preis von 10 Euro oder so, das ist mir aber noch nie passiert.

Alles in allem beherbergt mein Portemonnaie also fünf Plastikkärtchen und lustigerweise ein irgendwann mal im Baumarkt mitgenommenes, papiernes Lineal (1 Meter), „das man ja immer mal brauchen kann“ und das ich noch nie gebraucht und daher bei dieser Untersuchung gleich mal herausgenommen und entsorgt habe.