Wie der Oktober riecht

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Fräulein ReadOn fragt, wie der Oktober riecht. Mir fällt zunächst ein, wie die Oktober meiner Kindheit rochen: Nach letzten Sonnentagen, nach verbranntem Laub und Kartoffelfeuern, nach Erbsensuppe aus der Gulaschkanone auf dem Stadtfest, nach Kastanien und Eicheln, nach nassem Hund und Regen, nach feuchten Wollpullovern, nach Kamin, nach heißem Kakao und ersten Bratäpfeln, nach Pinimenthol und Hustensaft, nach Omis gebratenem Huhn, Sauerbraten und Mamas Rouladen, nach Papas Pfeifentabak, nach Gartenarbeit und ganz generell nach Regen und feuchter Erde.

Dieser Oktober roch nach Spätsommer, nach Sonnencreme und nach den letzten Rosenblüten, nach dem metallischen Duft von Chinatusche, und nach frisch angespitzten Buntstiften, nach Papier und der Gärtnerhandcreme für meine viel zu trockenen Hände. Regen? Ich weiß nicht mehr, wie Regen riecht.