WWOD?

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Tag 137 von 366 – WWOD? What would Omi do? Ich frage mich manchmal, was wohl meine Großmutter zu dieser Pandemie und unseren hilflosen Maßnahmen gesagt hätte. Sie war die ewige Optimistin, obwohl sie, zumindest bis fast in ihre Fünfziger, durch die allerdunkelsten Zeiten des vergangenen Jahrhunderts gegangen ist. Sie hätte jedenfalls keine Masken genäht; soweit ich weiß, hat sie nie andere Handarbeiten außer Stricken oder meinetwegen noch Häkeln betrieben. Sie war um Längen ungeduldiger als selbst ich es bin, sie war die Meisterin der Improvisation und Spontaneität, äußerst durchsetzungsstark und das, was man gemeinhin als ‚findig‘ bezeichnet: Sie sah keine Probleme, nur Lösungen. Wahrscheinlich wird man so geboren, oder aber es bleibt nicht aus, wenn man im ersten Weltkrieg und mit acht Geschwistern im Ruhrgebiet aufwächst. Ich wünschte, ich hätte ein paar Eigenschaften mehr von ihr mitgekriegt. Aber ich muss mich mit einem Übermaß an Ungeduld und Kreativität begnügen, wie der Rest ihrer Kinder und Enkelkinder auch. Nun.

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Ich habe Mama Bär den #rpRemote Bohemian Rhapsody Clip gezeigt und erklärt, wie der so zustande kam und warum. Sie möchte gern nächstes Jahr mit auf die #rp, wenn es denn wieder eine geben sollte (ich finde ja schon die Aussicht auf diesen August geradezu irre). Sie findet alle TeilnehmerInnen ganz fabelhaft und die Idee auch und hat mir fast Lust auf Leute treffen gemacht. Fast.

Ich geh’ da nicht raus, draußen ist Lava. Diese Pandemie unterstützt meine ohnehin im Übermaß vorhandene, natürliche Tendenz, den direkten Kontakt zu Menschen so weiträumig es irgend geht zu umgehen. Das ist nicht gut, das weiß ich auch. Ich muss mich ernsthaft dazu zwingen, in dieses ‚Draußen‘ zu gehen und mich nicht in die Hecken und Häuserwände zu werfen, sobald mir jemand ohne Maske zu Fuß entgegenkommt oder mich mit dem Rad überholt. Hoffentlich ist das alles vorbei, bevor es pathologisch wird oder ich mir noch ’ne Katze zulege. (Haha, kleiner Scherz, ich kann Katzen nicht leiden.)

Trotzdem muss ich raus. Der Postshop (nicht der des Grauens™, sondern der nette und kompetente) hat einen neuen Mitarbeiter. Er will pflichtbewusst meinen Ausweis sehen, bevor er mir mein Paket mit dem Espressosortiment gibt, das ich neulich bestellt habe. Ich lache „wir kennen uns noch nicht“ und stelle mich vor. „Aber jetzt“ lacht er. Wir kämpfen beide mit den aufgrund der Masken beschlagenen Brillengläsern. Er ist jung, witzig, auf Zack und passt gut in die Crew; der Chef steht draußen, grinst und raucht, seine Maske baumelt ihm unterm Kinn.

Auf der Straße bin ich die Einzige, die eine Maske trägt. Ich könnte sie natürlich jetzt abmachen, aber ich hab’ die Arme voll und keine Hand frei und es ist ja nicht weit bis nach Hause. Jeder, dem ich begegne, starrt mich an wie ein Alien. Ich starre zurück, die Aliens gucken weg.

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Ich bin nicht bereit für die Apokalypse. Ich habe kein Interesse an Zerstörung, kann keinen Zauber darin entdecken, die Welt in Flammen aufgehen zu sehen. Ich gucke keine Weltuntergangsfilme, ich habe nichts als Verachtung für solche Filme oder Games, in denen man raubend, mordend und plündernd mit bizarren Waffen durch die Welt zieht um sich zu nehmen, was man will oder, um eine Freigabe für Kinder ab 0 zu kriegen und dem Studio höhere Profite einzubringen, um „die Welt zu retten“. Ich frage mich, was das für kranke, gestörte, kaputte Typen sind, die solche Spiele spielen und mit Lust solche Filme gucken. Hab’ ich mich schon immer gefragt. Für solche Leute bin ich ein Opfer, solche Leute sind für mich Irre. And I’ll gladly die on that hill. (don’t @ me, just unfollow me, ge the fuck away from me, thanks)

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Facebook kauft für 400 m$ Giphy, den GIF-Integrationsservice, der auch von Twitter genutzt wurde oder wird, und will ihn mehr in Instagram integrieren. Nebenbei kauft Facebook damit auch sämtliche Metadaten der Nutzer, die GIFs in ihren Tweets genutzt haben oder nutzen, um sie durch Trackingpixel besser quer durchs Web verfolgen zu können und besser zu verstehen, welche Apps die User auf ihren Geräten nutzen. It’s all about sales, dummy. Facebook ist kein Social Network sondern ein Datenmakler.

Ich nutze die GIF-Funktion auf Twitter ohnehin eher spärlich und lösche meine Tweets mit GIF (und auch YouTube Videos) seit jeher darin relativ zeitnah wieder. Zum einen, weil Reaction-GIFs inflationär von allen genutzt werden und man eh schon alle kennt (wenn ich noch einmal die Frau in dem grünen Top sehen muss, die ihren Kaffee durch die Gegend prustet, beiße ich in die Auslegeware). Zum anderen, weil ich sowieso lieber meine eigenen Zeichnungen poste. Wenn jemand über mein Twitterprofil stolpert und sich durch meine Medientweets klickt, soll er oder sie nicht erst durch Kilometer von GIFs und YouTube Videos waten müssen, sondern einen schnellen Eindruck über meinen Zeichenstil bekommen. Twitter ist schließlich auch für mich eine Plattform für Eigenwerbung und Kundengewinnung und wenn ich da mal von mir auf andere ZeichnerInnen schließe, dann scrolle ich mich nicht stundenlang durch deren GIF-Sammlungen um irgendwann einmal auf ihre eigenen Arbeiten zu stoßen. Chance vertan.

Und Instagram wird damit dann wohl auch komplett uninteressant. Mal schauen, ich folge dort ja zu 99% nur KünstlerInnen, hoffentlich verzichten die auf den Mist. Und ich bin gespannt, wie lange sich Twitter noch hält.

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In dem Espressoprobierpaket lagen auch ein paar E.S.E. Pads für La Bella Macchina (nicht zu verwechseln mit Senseo-Pads). Ich probiere „Lucaffé Mr. Exclusiv“ und bin überrascht. Dass der Shot kaum créma hat ist klar bei 100% Arabica, und bei solchen Fertiglösungen wie Pads, Kapseln etc. nicht anders zu erwarten. Aber dass da doch noch so viel Aroma rauskommt, das ist schön. Das wird sicher keine Lieblingssorte (zu süß, zu weich), aber ich hatte wirklich nichts erwartet und bin daher erfreut.

Das Lucaffé-Maskottchen bzw. die Werbefigur, ein auf einem Bein tanzender, lachender, barfüßiger Schwarzer mit Kaffeetasse in der Hand, finde ich zwar schön illustriert vom Stil her, allerdings inhaltlich ein Ideechen problematisch. Sagen wir so: Der Sarotti-Mohr entstand 1915 und ist seit geraumer Zeit zu Recht in der historischen Versenkung verschwunden. Lucaffé hingegen wurde 1996 gegründet. ’nuff said.

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Ich hab’ meinen Hut immer noch nicht wiedergefunden. Stehe kurz davor, mir einen neuen zu kaufen, aber das wäre die Garantie dafür, dass der alte umgehend wieder auftaucht. Dann hätte ich zwei, das ist ja auch Quatsch. *seufz*