Zusammenhalten

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Tag 90 von 366 – Der gestrige Tag kam mir so kurz vor, ehe ich mich versah, war es halb neun am Abend und ich hatte gefühlt nichts geschafft. De facto dann doch schon, aber bedingt durch das Drama um das tote Macbook blieb (bzw. bleibt wohl noch eine Weile) so einiges liegen. Die Hilfe aus meiner Timeline ist groß, von allen Seiten bekomme ich praktische Tipps und Adressen, Hilfsangebote, Spenden in die Lachsbrötchenkasse und Mut zugesprochen, ich komme gar nicht mit dem Antworten hinterher. Und das in diesen Zeiten! Herrje.

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Wer uns ja auch in diesen Zeiten auf Twitter alle bei der Stange hält, ist Frau Novemberregen. Nicht genug damit, dass sie eine Familie und ihren Haushalt „schmeißt“, nebenbei hat sie noch einen extrem verantwortungsvollen Job in einem Unternehmen, das, wenn man so zwischen den Zeilen liest, nicht sonderlich progressiv genannt werden darf. Und sie schubst den Laden mehr oder weniger im Alleingang ins 21. Jahrhundert, den Eindruck hab’ ich zumindest hier gewonnen. Aber was sie sonst noch so macht: Ihrer Timeline aufmunternd virtuell auf den Rücken klopfen. Ein Stückchen Normalität und Routine in den aus den Fugen gewordenen Alltag bringen. Ein Bild gewinnen. Einfach, indem sie täglich fragt, was wir heute so gemacht haben. Sie hat für jede/n ein paar freundliche Worte, ab und an eine Nachfrage, sie muss selbst zum Umfallen müde sein, aber jeden Abend kommt diese Frage (und sonntags die, welchen Kuchen wir heute hatten) und ich weiß nicht warum, aber es rührt mich wirklich zutiefst und festigt das so oft beschworene, und so oft nur vorgebliche Gefühl von Gemeinschaft, von “we’re in this together”. Danke dafür.

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Morgen ist schon April, kaum zu glauben. Eben war doch noch Weihnachten? Irgendwo las ich neulich „wisst Ihr noch, als wir 2016 dachten, schlimmer kann’s ja wohl nicht mehr kommen?“ Haha.
Wobei … bei mir ist alles gut. Ja, das Virus macht mir Sorge, natürlich. Meine Familie zählt überwiegend zur Risikogruppe und ist entweder hochbetagt oder aber mit Vorerkrankungen belastet. Der Finanzamtsschock sitzt noch in den Knochen und das kaputte Macbook hätte ich jetzt auch nicht gebraucht. Und dennoch: Meinen Lieben geht’s gut, sie sind gesund zu zuhause. Der Teil, der vom Gesundheitsamt in Quarantäne gesteckt wurde, ist wieder auf freiem Fuß und ebenfalls gesund. Ich bin gesund. Ich habe eine Welle der Hilfsbereitschaft erfahren und kriege irgendwie ein neues Macbook zusammengekratzt, um Ostern herum bin ich wieder im Sattel bzw. “back in business”. Das Wetter ist skurril und so richtig aprillig, aber insgesamt schön. Es ist jetzt abends länger hell. Die Vögel machen einen Heidenlärm, ich liebe es. Das Leben ist schön.