Boondock Saints

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Boondock Saints

R: Troy Duffy
D: Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, Willem Dafoe
Offizielle Website | Imdb Eintrag

Es gibt große und kleine, gute und schlechte Filme, und dann noch guilty pleasures. Das sind die Filme, die irgendwo zwischen all diesen Stühlen sitzen und neben gähnenden Handlungs- und Logiklöchern, obskuren Darstellern und oft megacoolem Soundtrack vor allem einen immensen Unterhaltungswert besitzen. Meist sind sie im Kino sang- und klanglos untergegangen und haben ihre Fangemeinde auf Video bzw. DVD gefunden. Nicht selten wird ihnen das Label „Kult“ aufgepappt. Ein perfektes Beispiel für solche Filme, die ich leicht schuldbewußt aber mit breitestem Grinsen immer wieder gerne ansehe, ist Boondock Saints.

Before the McManus brothers go to Heaven, they're gonna raise a little Hell

Connor (Sean Patrick Flanery) und Murphy (Norman Reedus) MacManus sind zwei irischstämmige und sehr katholische Brüder, die sich ein stark renovierungsbedürftiges South Bostoner Loft teilen, keinem Drink aus dem Weg gehen und im Schlachthaus arbeiten. An St. Paddie’s legen sie gerade mit ihren Kumpels den Pub eines böse unter dem Tourette-Syndrom leidenden befreundeten Barbesitzers trocken, als ein paar schwere Jungs von der Russenmafia den Laden schließen möchten. Ganz, ganz dumme Idee finden die MacManus Brüder und lösen das Problem auf ihre eigene humorvoll-rustikale Art. Sie töten die Russen in Notwehr und haben eine Vision, die wohl nicht ganz zufällig an zwei andere schwere Jungs der Filmgeschichte erinnert, die im Auftrag des Herrn unterwegs sind. Die MacManus Brüder planen, die Welt von Abschaum wie der Mafia zu befreien – und setzen diesen Plan so laienhaft wie erfolgreich in die Tat um. Dicht auf den Fersen ist ihnen dabei FBI Agent Smecker (Willem Dafoe in einer seiner besten Rollen), der zunehmend ins Grübeln kommt, ob an dem Plan der beiden nicht was dran sein könnte… Die nachfolgende Schlachtplatte ist eine tour de force fuer sensiblere Gemüter und wird durch den unbestreitbaren Charme der Jungs, erfindungsreiche Kameraeinstellungen, brilliant besetzte Nebendarsteller (die sich teilweise aus dem Freundeskreis des Regisseurs rekrutieren und weitgehend selbst spielen) und clevere Montagen und Rückblenden nicht nur erträglich sondern fast zur Delikatesse.

Die Entstehungsgeschichte von Boondock Saints ist fast noch wilder und schräger als der Film selbst. Troy Duffy arbeitete in einer Bar in L.A., spielte mit seinen Brüdern in einer Rockband und schrieb nebenbei das Drehbuch. Harvey Weinstein witterte den nächsten Tarantino, versprach Duffy einen Haufen Geld und ihm die Bar zu kaufen und plante, Boondocks ganz groß rauszubringen. Zeitweise schwirrten Namen wie Brad Pitt und Matt Damon durch die Gegend, aber irgendwie implodierte das Projekt und das Budget schmolz wie Butter an der Sonne. Am Ende spielte der mit Laien-, Neben- und Charakterdarstellern besetzte Film nicht zuletzt dank des Columbine-Massakers, das noch sehr frisch im Gedächtnis des US-Publikums war, nur ein paar Tage auf der großen Leinwand und verschwand dann sang- und klanglos im Videoregal. Dort wurde er durch Mundpropaganda zu einem der am meisten ausgeliehenen Filme und gewann eine wachsende und treue Fangemeinde. Duffy selbst hatte nicht so viel Glück wie sein Film und legte sich erfolgreich mit ganz Hollywood an, was zur Folge hatte, dass er seither nicht nur keinen Film mehr gedreht hat sondern dort auch von niemandem mehr mit der Kneifzange angefasst wird. Statt dessen gab es sogar einen Film über seinen Aufstieg und Fall.

Küzlich hat Fox eine Special Edition DVD in den USA herausgebracht, die über einen Haufen Specials, einen Regiekommentar und einen Kommentar von Billy Connolly (Il Duce) verfügt, sowie natülich über die legendäre Untertitelfunktion, wo schlicht die Anzahl der Vier-Buchstaben-Worte gezählt wird. Alles zusammen in einer hübschen Blechdose verpackt, die das Sammlerherz erfreut. Kein großer Film, kein guter Film – aber ein vielversprechendes Debut und vor allem Pflichtprogramm um den St. Patrick’s Day standesgemäß einzuläuten!