Inktober 2017

Im Zeichen Harry Potters

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Der #SepteMeer hat nur noch einen Tag (mehr über die Ergebnisse und die Gewinner schreibe ich am Wochenende), da steht die nächste kreative Herausforderung in den Startlöchern: Der Inktober.

Der Inktober, wer’s noch nicht kennt, wurde vor einigen Jahren vom US-amerikanischen Illustratoren und Autoren Jake Parker ins Leben gerufen und hat zwei Regeln: 1. Zeichne jeden Tag im Oktober etwas mit Tusche bzw. Tinte und 2. veröffentliche sie auf Twitter oder Instagram mit dem Hashtag #Inktober bzw. #Inktober2017.

Es darf mit Feder, Pinsel, Kugelschreiber oder Fineliner gezeichnet werden (und natürlich auch mit Bleistift vorgezeichnet), aber der Witz an der Sache ist, dass das Motiv a) analog auf Papier, nicht digital am Computer entsteht, b) eine gewisse Verbindlichkeit hat; eine getuschte Linie ist halt eine getuschte Linie und c) dass das Motiv einfarbig ist. Also keinen Einsatz von Aquarellfarben etc.

Der Inktober ist also eine rein technische Vorgabe, keine inhaltliche. Was man zeichnet, ob es ein Gesamtkunstwerk mit Konzept über einen ganzen Monat ist oder einfach nur jeden Tag irgend etwas, was einem gefällt, ist den Teilnehmern selbst überlassen. Wer wirklich gar keine Idee hat, was man so alles zeichnen könnte, kann sich an den Stichworten des Tages orientieren, die Jake Parker vorschlägt, die aber völlig unverbindlich sind:

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Im vergangenen Jahr habe ich inhaltlich den Inktober als Dogtober gesehen und jeden Tag einen kleinen Punktehund gezeichnet, der ein Abenteuer zum jeweiligen Stichwort des Tages erlebt hat. Außerdem habe ich fast jeden Tag ein Making-Of Video zum Motiv gedreht und online gestellt, in erster Linie, um mich mit dem Produktionsprozess vertraut zu machen. Wer die Dogtober Motive kennt und bis hierher aufmerksam gelesen hat, fragt sich jetzt: Aber die Motive waren doch mit Aquarellfarben koloriert? Ja, bzw. jein. Die Motive waren mit Feder und Tusche gezeichnet und ich habe sie dann monochromatisch mit einer einzigen Aquarellfarbe – Sennelliers „Payne’s Grey“ – koloriert. Aus dem einfachen Grund, weil es mir besser gefiel und ich es im Geist der Aktion verstehe: Da ist nichts mehr zu korrigieren, wenn die Farbe erst einmal auf dem Blatt ist und alles ist komplett analog und von Hand entstanden.

Sich auf eine bestimmte Technik zu beschränken, die man eventuell noch nicht sehr gut beherrscht, ist eine Herausforderung der Art, wie Jake Parker sie beschreibt. Als professionelle Illustratoren arbeiten wir aus vielen Gründen zumeist digital, vom ersten Entwurf einmal abgesehen. Es ist einfach zeitsparender und manchmal die einzige Art, wie man bestimmte Motive hinbekommt, die die Kunden wünschen. Als freie Künstlerin jedoch arbeite ich in aller Regel analog und zwar mit Tusche und Aquarellfarben. Eine solche technische Herausforderung ist also keine für mich. Die inhaltliche Herausforderung ist für mich – neben der zeitlichen – viel spannender: Was für ein Thema suche ich mir, wie setze ich es täglich um? Finde ich den Punktehund wirklich interessant genug, mag ich ihn genug, um ihn freiwillig täglich zu malen? (Ganz ehrlich? Nein und nein.)

Für den Inktober 2017 habe ich mir inhaltlich das Thema Harry Potter ausgesucht. Zum einen, weil ich die Bücher inzwischen wirklich sehr gern mag und sehr gut kenne. Zum anderen, weil es in die Jahreszeit passt, wie ich finde.
Auch zu Tusche und Feder bzw. Pinsel, also der vorgegebenen technischen Einschränkung, passt das Thema gut. Die diesjährige Stichwortliste von Mr. Parker werde ich außen vor lassen, mit etwas gutem Willen könnte man auch da entsprechende Motive finden, aber das ist für mich mehr Stress als nötig.

Die echte Herausforderung für mich ist, jeden Tag genügend Zeit für eine Illustration zu finden. Denn das, was mir vorschwebt, geht über die täglichen 10-15 Minuten, die ich 2016 fürs Zeichnen des Punktehundes benötigt habe, weit hinaus. Ich möchte umfangreichere Motive zeichnen, keine reinen Charakterskizzen, und brauche wohl eher 2-3 Stunden oder mehr dafür. Ob ich die finden werde? Vielleicht nur an den Wochenenden. Aber sicherheitshalber setze ich mich hier nicht unter Druck und werde mich nicht verrückt machen, wenn ich nur alle zwei oder drei Tage oder ein Motiv pro Woche zeichnen kann. Die Bücher haben so viele wunderbare Szenen, die in meinem Kopf so besonders aussehen, ich will die Zeit haben, es richtig zu machen. Ich kann einfach keinen zusätzlichen Stress gebrauchen. Ich will mich auf die Arbeit freuen, so wie ich mich jeden Tag auf den Bären freue. Und ich will keine Kompromisse machen.

Und ich werde sehr wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder Aquarellfarben einsetzen, vielleicht nicht einmal monochromatisch, wie 2016, sondern so, wie ich es für richtig halte. Das werde ich später entscheiden; vielleicht erst gegen Ende des Monats. Es wird jedoch auch wieder Videos geben und die Ergebnisse werden, wie im letzten Jahr, im Artstore stehen.

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