#SepteMeer 2017 – Fazit und Gewinner

Ihr seid ja verrückt!

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Der #SepteMeer ist zu Ende. Viele, viele MeerliebhaberInnen haben mitgemacht und 2.301 Beiträge veröffentlicht. Es wurde gezeichnet und gemalt, analog mit Bleistift, Farbstift, Marker, Pastell- oder Aquarellfarben und digital mit Photoshop, ProCreate, Sketch oder Paint. Es wurden Texte geschrieben, lange im Blog, kurz auf Twitter, als Originalbeiträge, einzeln oder in Fortsetzungen und auch als Zweitveröffentlichung. Es gab Konzeptkunst mit Wortwitz, es haben Familien mitgemacht und sich abgewechselt, wer den heutigen Beitrag malen durfte, es wurde täglich, wöchentlich oder auch nur einmal etwas veröffentlich, es wurden Fotos frisch geknipst und Fotos aus dem Archiv gekramt (dazu später mehr).

Aus der Reihe „Dogs of Biscarrosse“, extra fürs #Septemeer #bingecreating @kiki_thaerigen @e13Kiki #twitter

Ein Beitrag geteilt von Anne Schüßler (@anneschuessler) am

Es haben auch ein paar Profis mitgemacht, aber in erster Linie Amateure: Menschen, die sich vielleicht selbst nicht als kreativ bezeichnen würden, die eigentlich gar keine Zeit fürs Malen haben, die in ihrer Kindheit in der Schule oder von ihren Eltern so entmutigt wurden, dass sie nie wieder freiwillig einen Stift in die Hand nehmen wollten um damit etwas anderes zu tun als Notizen, Briefe, Einkaufslisten zu schreiben. Menschen, die vielleicht dachten, es bräuchte Talent zum Zeichnen und die verblüfft feststellten: Es braucht in erster Linie Übung.

Übung und Wiederholung schlagen reines Talent jeden Tag. Wer dreißig Tage lang jeden Tag etwas übt, wird danach vielleicht noch nicht im Meisterstadium angekommen sein, aber unendlich viel besser, als zu Beginn gedacht; das gilt fürs Zeichnen und Malen oder Fotografieren wie fürs Singen oder Fitnessübungen. Und mit etwas Glück entdeckt man auch die Freude an etwas Neuem und hat fortan eine neue Gewohnheit, ein neues Hobby, eine neue Leidenschaft. Aber auch diejenigen, die am Ende der Zeit wissen: „Das ist wirklich nichts für mich!“ werden es sicher nicht bereut haben. Es ist immer gut, wenn man etwas Neues versucht und sich selbst dabei besser kennenlernt. Einen sehr lesenswerten Beitrag dazu hat Liisa bei sich im Blog als Fazit geschrieben.

Ich habe gestern endlich auch mal dem #SepteMeer eine Chance gegeben. Ich gestehe dafür YouTube-Tutorials und sehr viel Geduld gebraucht zu haben. Mit dem Thema Wasser habe ich mich aquarelltechnisch noch nie befasst und dementsprechend hilflos habe ich mich gefühlt. Entstanden sind die Bilder im #ACEO-Format. Allein das hat schon so viel Geduld gebraucht, dass ich sowas wohl im Leben nie in Groß malen werde :D andererseits ist das auch eine gute Geduldsprobe. Allein ein so kleines Bild hat schon über eine Stunde gedauert. Netflix und Bingewatching haben mir geholfen und so hab ich gestern bis drei Uhr nachts gemalt, nachdem gegen Mitternacht endlich die Migräne verschwunden ist ^^ wenn ihr die Septemeer-Aktion nicht kennt, dann schaut dringend mal rein was es da für coole Sachen gibt! Da wird man echt blass von dem Können der anderen.. . . . . . . . . #farbcafe #watercolor #aquarell #watercolour #miniart #miniartist #firsttry #dailyarts

Ein Beitrag geteilt von Juli vom FarbCafé (@farbcafe) am

In zweiter Linie braucht es Mut: Mut zur Veröffentlichung einer Arbeit, bei der für die meisten Menschen, ob Profi oder nicht, klar ersichtlich ist, dass es sich um eine Amateurarbeit handelt, mit allen Schwächen. Diesen Mut braucht man übrigens auch als Profi, denn natürlich haben Profis einerseits einen besonders kritischen Blick für die eigenen Arbeiten und sehen andererseits auch die Schwächen und „Abkürzungen“ der KollegInnen auf den ersten Blick. Aber Mut wird fast immer belohnt, und gerade hier: Ich zumindest habe – wenn überhaupt einmal – nur konstruktive Kritik gelesen und viel Applaus selbst für vermeintlich schwächste Arbeiten. Denn ehrliches Bemühen wird in aller Regel gut erkannt und honoriert. Die Hürden, die wir alle überwinden müssen um etwas für uns ungewohntes zu tun und das auch noch auf offener Bühne, sie sind riesig und ich ziehe meinen Hut vor jedem Beitrag und jeder Teilnehmerin bzw. jedem Teilnehmer.

Ich habe dieses Jahr das Thema „Meer“ gewählt, weil es so unglaublich viele Ansatzmöglichkeiten bietet und recht wenige Einschränkungen. Die meisten mir bekannten Menschen mögen oder lieben gar das Meer, träumen vom Urlaub am Meer oder einmal am Meer zu leben, haben Erinnerungen ans Meer, können sich in Erinnerung rufen, wie es duftet, wie es klingt, wie es sich anfühlt und was man an seinen Stränden finden kann: Muscheln, Sand, Krabben, Möwen, die große Liebe, eine Flaschenpost. Aber auch diejenigen, die lieber in die Berge als ans Meer fahren, die lieber im Wald sind als am Strand und die lieber an ein Blütenmeer als an eine rauschende Brandung denken, konnten mitmachen.

Wolkenmeer. Auf dem Weg nach Lissabon, April 2014. #SepteMeer #twitter

Ein von @stedtenhopp geteilter Beitrag am

Die übergeordnete Aufgabe bzw. das Hauptthema lautet #bingecreating statt bingewatching, also selbst oft und regelmäßig etwas zu erschaffen statt nur passiv z.B. TV-Serienstaffeln zu konsumieren. Auf die meisten Beiträge traf das durchaus zu, aber es haben auch viele Menschen einfach ihre Fotokisten geplündert und schöne Meeresbilder gepostet oder einen Photoshopfilter drüberlaufen lassen. Ich hatte das in den Wettbewerbsegeln nicht explizit ausgeschlossen (hauptsächlich deshalb, weil ich Naivling gar nicht auf die Idee gekommen wäre, dass jemand das tun würde) und ich bin auch nicht ernstahft verärgert darüber, denn ich liebe schöne Bilder vom Meer und erfreue mich daran genauso wie wohl die meisten TeilnehmerInnen auch. Aber es hat natürlich nicht wirklich etwas mit dem Geist der Aktion zu tun und darum bitte ich um Verständnis, wenn ich diese Bilder bei der Preisvergabe nicht berücksichtigt habe.

Preisvergabe? Einige TeilnehmerInnen wussten gar nicht, dass es Preise gibt, sie haben einfach so mitgemacht, aus Freude an der Sache, und das ist natürlich das schönste Kompliment und zeigt, wie beliebt die Idee ist. Aber ich hatte in der Tat drei Preise ausgelobt, vielleicht etwas wenig, wenn man die Anzahl der möglichen Kategorien oder TeilnehmerInnen bedenkt, aber das ist hier eine rein private Aktion ohne jegliche Sponsoren. Vielleicht ändert sich das im nächsten Jahr, ich bin da durchaus offen für entsprechende Angebote.

Um den Überblick nicht zu verlieren, habe ich vollautomatisiert ein Google Spreadsheet angelegt, in dem alle auf Twitter mit #SepteMeer getaggten Beiträge gesammelt wurden. Das waren 4.420. Darunter waren allerdings 2.207 Retweets, also Doubletten. Die Beiträge auf Instagram habe ich manuell gesammelt, dort waren es 134 und auch hier gab es wieder Doubletten, da die meisten Instagrammer auch auf Twitter sind und ihre Beiträge dort zweitverteilt haben. Schließlich habe ich noch die Beiträge in Blogs gesammelt, die mich hier im Ursprungseintrag per Trackback bzw. Pingback benachrichtigt haben. Insgesamt habe ich 2.301 einzelne Beiträge gefunden, gelesen und angesehen.
Ich selbst habe selbstverständlich außer Konkurrenz mitgemacht und auch das nur in der ersten Septemberwoche, da ich schlicht keine Zeit für die tägliche Teilnahme hatte. Der September ist traditionell einer meiner arbeitsreichsten Monate; das hätte ich vielleicht mal früher bedenken sollen, aber nun ja. Das Schönste aber ist: Das war völlig egal, niemand hat auf meine Beiträge gewartet oder geachtet. Jede/r war selbst die Hauptperson und alle haben sich gegenseitig Feedback und Tipps gegeben, sich angefeuert, retweeted und das ganze Thema vollständig von mir gelöst, ganz wie erhofft.

Von allen Beiträgen haben mir persönlich diese am besten gefallen:

Das #SepteMeer-Gesamtkunstwerk von @Charmingliisa. Es entspricht all dem, was ich mir zu Beginn der Aktion erhofft hatte: Dass jemand, der bzw. die wenig oder keine Erfahrung mit Zeichnen oder Malen hat, sich einen Monat lang durchbeißt und am Ende ein positives Fazit für sich gefunden hat oder vielleicht gar ein neues Hobby. Liisa hat übrigens auch täglich einen Blogeintrag zu ihrem Werk geschrieben und noch ein paar Hintergrundgedanken veröffentlicht, das hat mich sehr interessiert.

Das #SepteMeer-Gesamtkunstwerk von @maid_of_win, die digital gearbeitet hat. Stilistisch, inhaltlich einfach schön und ich war jeden Tag gespannt, was das neue Motiv sein würde.

Die Geschichte über das Schiff Tilda, in 30 Häppchen á 140 Zeichen von @dorothy_jane. Großer Spaß mit Herz und gerührtem Schneuzen.

Die Fotos von Sabrina Willekens, besonders dieses hier, komplett mit dem dazugehörigen Text. Ich hab‘ sooo gelacht!

Die Pastellarbeiten von @eeek_de. Ich liebe es, mir in Pastellkreiden gemalte Bilder anzuschauen, diese Technik hat etwas so schwebend-ätherisches und ich gestehe freimütig, dass Blau in allen Schattierungen meine Lieblingsfarbe ist. Gleichzeitig ist Pastellmalerei mit die größte Sauerei, die man arbeitstechnisch so veranstalten kann; wer regelmäßig mit Pastellkreiden malt, kann eigentlich anschließend seine Bude renovieren. Ich traue mich da nicht ran.

Die Geschichte „Von Fern ist das Meer niemals nah“ von @Frl_ReadOn. Die meisten meiner LeserInnen werden das Blog von Fräulein ReadOn bereits im Feedreader abonniert haben, aber falls nicht: Tun Sie das. Sie werden es nicht bereuen. Hier schreibt eine künftige Literaturpreisträgerin (you read it here first).

Die PreisträgerInnen:

Ich weiß, ich hatte ursprünglich gesagt, wir stimmen über eine Vorauswahl ab, aber ich mache mich jetzt einfach mal unbeliebt und entscheide selbst, wer die PreisträgerInnen sein sollen. Platz 1 (und damit das Aquarellskizzenbuch von Moleskine) geht an @CharmingLiisa. Platz 2 (und damit ein Monatsabo des Bären) geht an @Maid_of_Win und Platz 3 und damit ein 3er Postkartenset Trostbären geht an @dorothy_jane.

Ich hoffe, alle anderen TeilnehmerInnen sind nicht traurig sondern auch weiterhin motiviert und bleiben bei der Stange. „Ihr seid alle Sieger“ klingt immer doof, ist aber in diesem Fall wirklich so.

Ob es nach dem #Catember 2016 und dem #SepteMeer 2017 in 2018 ein neues #bingecreating-Thema geben wird oder einfach eine Fortsetzung oder Neuauflage des #SepteMeer weiß ich noch nicht, es ist ja auch noch etwas Zeit. Vorschläge und Feedback dazu gern in die Kommentare.

Ich verstehe den #bingecreating-Monat September als eine Art Komplementär zu Jake Parkers #Inktober (der heute anfängt): Jeden Tag etwas zu einem Thema erschaffen, die Technik ist dabei egal. Im #Inktober ist es umgekehrt, da wird jeden Tag etwas mit Tinte oder Tusche gezeichnet, das Thema ist egal. Wer nach dem #SepteMeer in ein kleines Loch fällt und nun nicht weiß, was er oder sie im Oktober so weiter zeichnen oder malen soll, findet sicher Spaß am #Inktober. Ich selbst werde auch mitmachen. Mehr dazu habe ich gestern hier geschrieben.

Ich danke Euch allen sehr fürs Mitmachen, fürs Teilen, für Euer Feedback und freue mich auf nächstes Jahr!

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