#Septemeer2018 – Bilanz und Siegerehrung

Als ich vorletztes Jahr den September zum #bingecreating-Monat ausrief, damals noch unter dem Motto #Catember, also Bilder rund um die Katzen, da konnte ich nicht ahnen, was sich daraus entwickeln würde. Viele Menschen auf Twitter gingen hin und zeichneten ihre oder andere Katzen und das Tollste daran war: Es waren fast alles Menschen, die vielleicht zuletzt in der Schulzeit etwas gezeichnet haben, aber ansonsten höchstens einmal während öder Telefonkonferenzen vor sich hin kritzelten. Ein Jahr später, 2017, wollte ich von Euch Bilder vom Meer sehen und der September wurde zum #Septemeer. Es waren dramatisch mehr Leute dabei als im Vorjahr, allerdings auch viele FotografInnen und nicht wenige holten einfach ihre schönsten Fotos vom Strandurlaub raus. Die waren zwar gut, aber liefen doch dem Sinn und Zweck des #bingecreating zuwider: Jeden Tag, oder wenigstens einmal pro Woche, etwas Neues zu schaffen. Das macht Arbeit, das kostet Zeit, das ist anstrendend und unbequem, man hat keine Lust, die Kinder wollen irgendwas, der Hund muß raus, Netflix hat ’ne neue Serie am Start, die man mit dem oder der Allerliebsten zusammen gucken will … meh.

Was mich so erfreut beim #Septemeer – und anderen, ähnlichen Events im Netz, wie z.B. der #Inktober – ist, dass so viele Menschen mitmachen, die offensichtlich keine Profis sind, wenn’s ums Zeichnen und Malen geht. Aber sie haben Ideen. Sie setzen sich hin und nehmen sich die Zeit irgendwie und irgendwoher, vielleicht haben sie nur einen Bleistift oder einen Kuli, vielleicht gönnen sie sich zur Motivation auch ein schönes Skizzenbuch oder gar ein paar teure Aquarellfarben oder Buntstifte. Vielleicht kämpfen sie mit einer frisch heruntergeladenen Zeichenapp auf dem iPad, die sei erst einmal erlernen müssen. Aber sie erschaffen etwas. Und wenn sie täglich dabei bleiben, kann man ihnen dabei zusehen, wie sie täglich besser werden. Oft sind sie am Ende am meisten erstaunt und sagen ‚das hätte ich nicht gedacht, dass ich das kann!‘

Und manche unter ihnen bleiben auch nach dem Ende des Septembers dran und haben dann ein neues Hobby. Das finde ich toll.

Ich glaube, Menschen sind dann am besten, wenn wir spielen, etwas neues lernen, Freude bei einer Sache haben. Die Nachrichten sind schlimm, der Alltag nervt, aber diese Viertelstunde oder mehr am Tag, die gehört uns und wir sind super und am Ende hatten wir einen schönen Moment am Tag. Oder sogar mehrere – wenn wir unsere Arbeiten auf Twitter und Instagram und im Blog veröffentlichen und uns entsetzlich angreifbar machen damit. Es braucht Mut, so die Hosen runterzulassen und sich mit etwas in die Öffentlichkeit zu begeben, was man noch nicht sehr gut kann. Und wir sehen andere, die besser sind und andere, die nicht so gelungen sind, aber wir haben gemeinsam Freude und bauen uns auf und feuern uns an.

Klingt ein bisschen kitschig, oder?

Na und? Man kann den Alltag auf viele Arten erträglicher gestalten oder versüßen. Mit Alkohol. Mit Frustshopping. Mit Bingewatching von Netflixserien. Mit Gartenarbeit oder Sport oder Kochen oder Musizieren oder Zeichnen oder Schreiben. Ich glaube, die letzteren Varianten sind sinnvoller als die Erstgenannten.

OK: Wie hab’ ich das jetzt gesammelt, wer wann was veröffentlicht hat? Über ein Google Spreadsheet und eine Erweiterung namens Twitter Archiver, die jede Stunde alle Beiträge mit dem Hashtag #Septemeer2018 auf Twitter abgeschnorchelt und in das Spreadsheet geschrieben hat. Die Retweets habe ich weggelassen. Das Spreadsheet könnt Ihr Euch hier gerne herunterladen. Die Instagram Beiträge waren nicht so zahlreich, das waren nur 236 und die meisten darunter waren Doppelpostings, die auch auf Twitter veröffentlicht wurden.

Die GewinnerInnen:

Dieses Jahr habe ich die Fotografen gebeten, auszusetzen bzw. wirklich nur Gezeichnetes, Gemaltes und Geschriebenes in die Wertung genommen. Damit sind es deutlich weniger Beiträge als im vergangenen Jahr geworden, aber immer noch rund 1.500. Und was für unglaublich tolle Ergebnisse dabei sind! Schaut selbst unter dem Schlagwort #Septemeer2018 auf Instagram oder Twitter (bzw. zieht Euch das Spreadsheet herunter)!

Außerdem hatte ich ja ein paar Preise ausgelobt, einfach so. Und so will ich natürlich auch die GewinnerInnen bekanntgeben. Die Auswahl fiel mir wirklich schwer, und es hat die halbe Nacht gedauert, aber schlussendlich habe ich mich entschieden.

Platz 3, und damit Gewinner eines Bärenabos für 1 Monat, vergebe ich an Steffen a.k.a. @notenblog. Er hat mich den ganzen Monat an der Nase herumgeführt mit seinen extrem minimalistischen, winzigen und oft für meine Begriffe reichlich ungeschickt fotografierten Bleistiftscribbles, und erst in der letzten Woche hatte ich langsam das Gefühl, da stecke noch mehr dahinter. Ich wurde nicht enttäuscht: Alle Minizeichnungen ergeben ein großes Gesamtbild, auf dem wirklich etwas los ist.

Platz 2, und damit ein kleines Moleskine Aquarellskizzenbuch im Format ca. 9×15 cm, geht an @slowtiger, dessen Bilder oft nicht nur lustig sondern auch durchaus einmal mit einer knallharten Botschaft versehen waren.

Platz 1, und damit Gewinner eines Hahnemühle Skizzenbuchs mit grauem Tonpapier (das Grey Book) geht an @StefanLausL_, der doch tatsächlich ganze Comicgeschichten um die einzelnen Stichworte geschrieben und gezeichnet hat:

Ich danke allen fürs Mitmachen, es war super! Ob ich das im nächsten Jahr noch einmal machen werde, weiß ich nicht, denn der September ist zeitlich und organisatorisch der denkbar ungünstigste Monat für mich, aber das ist ja auch kein Problem – Ihr braucht mich nicht dazu, Ihr kriegt das auch ganz allein hin, da bin ich sicher.

Meine eigenen Beiträge findet Ihr hier gesammelt, ich werde demnächst einige Motive als Postkarten in den Artstore stellen, den kleinen Schwimmer hab’ ich ja in den „T-Shirts & Gedöns“-Shop gestellt. Und die Geschichte um den kleinen Fisch kann ich mir auch gut als Bilderbuch vorstellen für nächstes Jahr.