Neue Wege 2023

Neue Wege ©2021 Kiki Thaerigen

Ich ändere ja gefühlt jedes Jahr das Design meiner Seite, und eigentlich nicht nur das Design. Aber nun wage ich nach siebzehn Jahren den Schritt weg von Wordpress. „Es liegt nicht an dir, es liegt an mir“ möchte ich sagen, und natürlich stimmt das nicht, das stimmt nie. Wir haben uns auseinandergelebt, Wordpress und ich. Aus der kleinen, wendigen Jolle ist ein Öltanker geworden: Das Content Management System, auf dem diese Website alles in allem recht problemlos lief, wurde einfach zu kompliziert und schwerfällig in der Handhabung und das spiegelte sich leider auch in den Ladezeiten der Seite wider. Natürlich ist eine Website mit vielen Bildern nicht so ratzfatz geladen wie eine reine Textseite, aber es wurde langsam lächerlich. Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt und hatte überhaupt keine Lust mehr, meine eigene Website zu besuchen. Warum sollte es meinen Gästen dann anders gehen?

Ich suchte mir also einen static site generator, ein Werkzeug, mit dem ich mir eine schnelle, schlanke Website zusammenzimmern kann. Die Auswahl ist groß, am Ende fiel meine Wahl auf Publii, einem Kompromiss zwischen absoluten Purismus und Content Management System. Es hat seine Mängel, wie jedes Werkzeug passt es nicht zu jedem gewünschten Einsatzbereich, aber ich bin sehr zufrieden soweit. 

Den Artstore kann ich allerdings bislang noch nicht über dieses Tool betreiben, der wird weiterhin auf absehbare Zeit mit Wordpress und WooCommerce laufen. Allerdings werde ich das Warenangebot ausdünnen. Die Postkarten und andere Kleinigkeiten werden demnächst rausgenommen.

Was gibt es sonst Neues? Fünfzehn Jahre lang war ich fast täglich auf Twitter aktiv, rund zwei Jahre länger, als ich zur Schule ging. (Das mal sacken lassen.) Viele wunderbare Menschen habe ich bei Twitter virtuell und teilweise auch ganz „in echt“ getroffen, bei Lesungen, auf der re:publica, zum Kaffee und natürlich auch beruflich: Die meisten meiner KundInnen rekrutieren sich zwischenzeitlich von Twitter. Daher ist es mir nicht leicht gefallen, dort meine aktive Präsenz komplett herunterzufahren und zur open source Lösung Mastodon zu wechseln. Anlass waren natürlich die Übernahme Twitters durch Elon Musk und dessen diktatorisch-willkürlichen Änderungen der AGB, um es einmal halbwegs neutral zu formulieren.

Adieu, Twitter
Adieu, Twitter. War schön bei dir.

 

Ich möchte keine Plattform unterstützen und legitimieren, deren von saudischen Prinzen und qatarischen Investoren ölfinanzierter Inhaber krude, rechte Verschwörungstheorien von QAnon, Reichsbürgern, Coronaleugnern, Antisemiten und anderen Widerlingen nicht nur nicht löscht sondern sogar aktiv fördert und selbst propagiert, und politische Gegner mundtot macht.

Für mich als Illustratorin kommt erschwerend hinzu, dass Musk keinen Hehl draus macht, dass er sich nicht um Urheberrechte und Gesetze schert, schon gar nicht um internationale. Er ist stolz darauf, den KünstlerInnen, deren Werke er nutzt, nicht einmal die Namensnennung an ihren Werken zu  gönnen – etwas, das im deutschen Gesetz zumindest fest verankert ist – und hat nun Dritte aktiv dazu aufgerufen, das zu unterlassen.

Musk vs. Artists
Musk vs. Artists

Warum sollte ich ihm meine Inhalte dann kostenlos zur Verfügung stellen? Will ich wirklich riskieren, dass er sich meine Bilder greift und z.B. seine Cryptobros NFT daraus machen lässt, oder einen AI-Algorithmus damit füttert, oder sonst etwas in und mit meinem Namen tut, was ich niemals gutheißen würde?

Ich habe daher bedauernd meine Tweets aus fünfzehn Jahren gelöscht. Mein Profil bleibt nur deshalb stehen, damit mein Nick dort (@e13kiki) nicht von Dritten gekapert und für Spam missbraucht werden kann, der ggf. später auf mich zurückfällt bzw. mit mir assoziiert wird. Ich experimentiere noch ein wenig mit crosspostings, also der automatisierten Spiegelung bestimmter Beiträge von Mastodon auf Twitter, aber ich merke jetzt schon: Das ist nichts halbes und nichts ganzes. Ich habe schlicht nicht die Zeit, auf beiden Plattformen so aktiv zu sein, dass ich auf Kommentare oder Fragen zeitnah antworten könnte.

Ich bin also inzwischen bei Mastodon (fnordon.de/kiki) und habe dort glücklicherweise auch schon eine Vielzahl von Twitterfreunden wiedergefunden. Nicht alle, leider, aber man kann ja auch niemanden zu seinem bzw. meinem Glück zwingen. Natürlich fällt es nicht leicht, ein Publikum, das man sich oft über Jahre aufgebaut hat, zurückzulassen, das schmerzt sehr. Die feindliche Übernahme Twitters hat mir das Herz gebrochen, ich will es nicht verhehlen. Aber wie das so ist mit Liebeskummer: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Für Menschen wie mich, die freiberuflich arbeiten und Social Media auch für den KundInnenkontakt nutzen ist der Schritt definitiv geschäftsschädigend, wenn nicht gar selbstmörderisch. Aber letztlich zeigen die großen Brands bzw. Marken ja schon, wie der Hase läuft: Es gilt, den eigenen Namen zu schützen, das langjährig aufgebaute gute Image nicht von Musk ruinieren zu lassen. Wer will schon mit dessen wirren, gefährlichen Hass- und Verleugnungskampagnen in Verbindung gebracht werden? Die meisten relevanten Marken haben auch ziemlich umgehend ihre Anzeigenkampagnen auf Twitter gestoppt oder sehr zurückgefahren. Ich hoffe, dass sich der Mut der Verzweiflung auszahlt und ich nicht allzu viele KundInnen verlieren werde. 

Übrigens: Mastodon hat weder einen Algorithmus noch Anzeigenkunden, das ist alles erfreulich Web 1.0 dort. Das Internet, wie wir Älteren es noch aus den 90ern und frühen 2000ern kennen: Dezentral, privat organisiert, teils etwas anarchisch und chaotisch. Für Generation Z und Millennials schwer zu begreifen, die sind mit Facebook und anderen Walled Gardens groß geworden. Das daraus entwickelte Anspruchsdenken ist manchmal irritierend mit anzuschauen. Es soll bitte alles sofort und so funktionieren wie auf Twitter, nur ohne die negativen Begleiterscheinungen. Und das funktioniert natürlich nicht, kann nicht funktionieren.

Übrigens gab  es auch auf Twitter nicht sämtliche Funktionen von Beginn an, und als sie nach und nach eingeführt wurden, war jedes Mal das Geschrei groß. „Wer braucht Hashtags, so ein Quatsch!“, „Kommentierte Retweets sind Blödsinn!“, „Wir wollen keine Bilder in Tweets, was soll das?“, „140 Zeichen sind genug!“ und so weiter, und so fort.

Was ich auf Mastodon nicht mehr machen werde: Den Bären so in den Vordergrund stellen. Ich habe ein wenig ziemlich die Nase voll davon, dass ich von vielen Leuten nur noch als die „Bärenmutter“ wahrgenommen werde. Ich liebe den Bären sehr und er wird auch keinesfalls komplett in der Schublade verschwinden, aber er wird auf Mastodon nur mehr gelegentliche Gastauftritte haben. Wer „Bär intensiv“ will, sollte das Bärenabo abonnieren, sofern noch nicht geschehen. Ich war und bin immer mehr als die Frau mit dem Bären, ich zeichne und schreibe vielfältig.

Weiterhin bin ich nach wie vor auf Instagram, aber hadere nach wie vor damit, meine Inhalte, die, soweit ich sehen kann, so gut wie keinem meiner 900+ Follower dort angezeigt werden, dem Datenmonster Facebook in den gier’gen Schlund zu werfen. Reine Fotobeiträge dort zu veröffentlichen ist inzwischen völlig sinnlos geworden, Instagram will Kurzvideos à la tiktok, dort Reels genannt. Aber niemand schaut Reels an, niemand liebt Reels, das einzige, was noch halbwegs funktioniert sind Stories, glaube ich. Die sich nach 24 Stunden selbst löschen, Mission Impossible Style, bzw. wie bei Snapchat. (Nutzt eigentlich noch irgend jemand über 20 Snapchat?)

Für YouTube habe ich für dieses Jahr wieder mehr vor; ich habe mir letztes Jahr tiktok näher angesehen und mag es sehr – als reine Konsumentin von Inhalten. Als Creator ist tiktok für mich schlicht nicht geeignet. Um vom Algorithmus vorgeschlagen zu werden und halbwegs ein Publikum zu erreichen, müsste ich dort regelmäßig täglich zwei bis drei Clips hochladen. Das ist für mich logistisch und zeitlich nicht leistbar und da hätte ich auch keine Lust zu. Nein, YouTube ist die Plattform, die mir nach wie vor für meine Zwecke am sinnvollsten erscheint. 

Meine coole e13.de Domain wird ab sofort nur mehr auf dieses Blog verweisen. Ich habe 2020 damit angefangen, mehr auf meinen Namen zu setzen als auf die ja doch etwas kryptische e13 Adresse, und finde es auch nach wie vor richtig, den Portfolio meiner Illustrationen und den Shop unter meinem Namen zu präsentieren. Aber diese kryptische e13 Domain gab mir über 20 Jahre lang immer die Freiheit, darunter alles mögliche zu verbloggen, von Thema zu Thema zu hüpfen, wandlungsfähig zu bleiben. E13 stand für Filme, Golf, Werbung, Kunst, Illustration, für Alltagsbeobachtungen, fürs Ausprobieren neuer Dinge und Vorstellen meiner neuen Interessen. Da soll es wieder hingehen. Mal schauen, eventuell hole ich ein paar alte Beiträge auch wieder aus der Versenkung.

2021 habe ich täglich, 2022 habe ich (so gut wie) gar nicht gebloggt, 2023 wird es wieder mehr werden, denn ich habe festgestellt: 1. Es fehlt mir. 2. Zuhause ist, wo deine Inhalte dir gehören.

Herzlich Willkommen bei e13!